Es beginnt mit einer Werbeanzeige oder einer freundlichen Nachricht im Messenger. Eine Plattform zeigt dir Gewinne, die Kurve steigt, ein Berater meldet sich regelmäßig. Erst wenn du Geld auszahlen willst, gibt es ein Problem: Erst müsse eine Gebühr, eine Steuer oder eine Sicherheitsleistung bezahlt werden. Dieser Ratgeber beschreibt, woran du das Muster erkennst und was danach zu tun ist.
So läuft die Masche ab
Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt, dass die Täter unaufgefordert über Messenger oder Telefon Kontakt aufnehmen und sich als Experten ausgeben. Nach ihren Angaben findet in vielen Fällen gar kein Handel statt, die Software der Plattform zeigt nur erfundene Transaktionen und Gewinne. Die BaFin ergänzt: Für die Zahlung sollen Opfer ein Wallet bei einer Krypto-Handelsplattform einrichten. Die eingezahlten Beträge werden in Bitcoin getauscht, landen aber im Wallet der Kriminellen.
Bei Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram bauen die Täter laut BaFin über Wochen Vertrauen auf. Sie werben für Gruppen mit Namen wie „School“ oder „Akademie“, zeigen gefälschte Lizenzdokumente und lassen Demo-Konten kleine Auszahlungen vornehmen. Die Verbraucherzentrale nennt als typischen Einstieg eine Anfangseinzahlung von 250 Euro, danach folgt der Druck zu höheren Beträgen.
- 1KontaktAnzeige mit Prominenten oder Nachricht im Messenger.
- 2VertrauenGruppe, Demo-Konto, kleine Auszahlung.
- 3EinzahlungBetrag geht ans Wallet der Täter.
- 4ScheingewinnKurve steigt, Auszahlung braucht Gebühr oder Steuer.
- 5RückholerZweite Welle: Geld sei gefunden, Vorschuss nötig.
Typischer Verlauf nach den Beschreibungen von BaFin, Polizei und Verbraucherzentrale. Die Reihenfolge kann im Einzelfall abweichen.
Quellen: BaFin: Betrügerische Handelsplattformen; BaFin: Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram; Polizeiliche Kriminalprävention: Cybertrading-Betrug erkennen und vermeiden
Woran du eine Plattform ohne Auszahlung erkennst
Das deutlichste Zeichen zeigt sich beim Auszahlungswunsch. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass dann angeblich ein Kapitalverlust eingetreten sei oder die Auszahlung von weiteren Zahlungen abhänge: Gewinnsteuern, Verwaltungsgebühren oder eine Sicherheitsleistung gegen Geldwäsche. Die BaFin nennt zusätzlich die „Spiegeltransaktion“, bei der du vorab einen Betrag überweisen sollst, um Konten zu verknüpfen, und den „Liquiditätsnachweis“.
- Kontakt, den du nicht angefragt hast. Cold Calling, Gruppeneinladungen und Anzeigen mit missbrauchten Prominentenbildern oder KI-Inhalten nennen BaFin und Polizei als Merkmale.
- Hohe Gewinne bei kleinem Einsatz. Die Polizei weist darauf hin, dass hohe Gewinnchancen stets mit hohem Risiko verbunden sind.
- Druck zu Kryptowährungen und schnellen Entscheidungen. Zahlungen laufen laut BaFin oft über Krypto-Wallets oder Konten von Privatpersonen.
- Fernzugriff. BaFin und Polizei raten, niemals Fernwartungssoftware zu installieren oder einen Fernzugriff zu erlauben.
- Unvollständiges Impressum, junge Domain. Die BaFin rät, ein vollständiges Impressum zu verlangen und das Alter der Domain per WHOIS-Abfrage nachzusehen.
Bevor du weiteres Geld schickst, kannst du das Empfängerkonto in der IBAN-Prüfung von onlinebetrug.ai prüfen lassen. Eine Nachricht aus dem Messenger prüft die Nachrichtenprüfung. Ein unauffälliges Ergebnis ist keine Garantie. Es zeigt nur, dass bei den geprüften Merkmalen nichts aufgefallen ist.
Erlaubnis prüfen: BaFin-Datenbank und ESMA-Register
Die Polizei empfiehlt, Anbieter vor der Registrierung und vor jeder Überweisung in der BaFin-Datenbank nachzusehen, und rät davon ab, Geld an Anbieter ohne BaFin-Lizenz zu überweisen. Wer Kryptowerte-Dienstleistungen erbringt, braucht nach der Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCAR) eine Erlaubnis. Nach der Erteilung wird sie laut BaFin im Bundesanzeiger, in der BaFin-Unternehmensdatenbank und im MiCAR-Interimsregister der ESMA veröffentlicht.
Das gilt auch für die Verwahrung. Nach dem BaFin-Merkblatt bedeutet Verwahrung und Verwaltung die sichere Aufbewahrung oder Kontrolle von Kryptowerten oder der Zugangsmittel für Kunden und entspricht dem früheren Kryptoverwahrgeschäft nach dem Kreditwesengesetz. Erlaubnispflichtig ist die gewerbsmäßige Tätigkeit auch dann, wenn sie grenzüberschreitend an Kunden in Deutschland gerichtet ist.
Zum Stand: Die Übergangsfrist unter MiCA endete am 1. Juli 2026. Die ESMA erklärte am 23. Juni 2026, dass Kunden nicht zugelassener Anbieter nicht von den MiCA-Schutzvorschriften profitieren, auch nicht beim Schutz ihrer Kundengelder. Sie ruft Kunden dazu auf, im ESMA-Register nachzusehen, ob ihr Anbieter zugelassen ist. Ein fehlender Eintrag ist ein Warnsignal. Ein vorhandener Eintrag sagt nichts darüber, ob dir jemand in einem Chat im Namen dieses Anbieters schreibt, denn die Täter missbrauchen laut BaFin auch Namen und Daten unbeteiligter Unternehmen. Frage deshalb über die Kontaktdaten aus dem Register nach, nicht über die Nummer aus der Nachricht.
Schon eingezahlt: Was du dokumentierst und tust
Die Polizei nennt fünf Schritte nach einem Betrug. Die Chancen auf Rückholung sind laut Verbraucherzentrale und BaFin sehr gering, weil die Täter international arbeiten und kaum auffindbar sind. Je früher Bank und Polizei Bescheid wissen, desto eher bleibt eine Möglichkeit offen.
- Weitere Zahlungen stoppen.
Zahle keine Gebühr, Steuer oder Sicherheitsleistung für die Auszahlung.
- Kontakt abbrechen und die Bank informieren.
Frag, ob eine Überweisung noch zurückgerufen werden kann, und lass bei Bedarf Konto oder Karte sperren.
- Belege sichern.
Screenshots der Plattform, Chatverläufe, Zahlungsbelege, Namen und Telefonnummern der Berater, Adressen der Wallets und Transaktionsnummern. Mehr dazu unter Schon bezahlt?.
- Anzeige erstatten.
Bei der Polizei vor Ort oder online. Die Wache deines Bundeslands findest du unter Wo du es meldest.
- Finanzbehörden informieren.
Die Verbraucherzentrale rät außerdem, den Fall den zuständigen Finanzbehörden zu melden.
Wie hast du eingezahlt?
Überweisung
- Bank sofort anrufen, Rückruf anfragen.
- Danach Anzeige erstatten.
Kreditkarte
- Kartenbank wegen Chargeback kontaktieren.
- Gebühren können anfallen.
- Danach Anzeige erstatten.
Krypto-Wallet
- Wallet-Adressen und Transaktionen sichern.
- Danach Anzeige erstatten.
Rückholbarkeit hängt von der Zahlungsart ab. Eine ausgeführte Überweisung kann laut Verbraucherzentrale nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Quellen: Verbraucherzentrale: Internet-Betrug, so können Sie versuchen, Ihr Geld zurückzuholen (Stand 03.08.2026); Polizeiliche Kriminalprävention: Cybertrading-Betrug erkennen und vermeiden
Die Verbraucherzentrale beschreibt die Möglichkeiten je Zahlungsart so: Eine Überweisung, die deine Bank schon ausgeführt hat, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bei der Kreditkarte gibt es das Chargeback-Verfahren über die kartenausgebende Bank, mögliche Bearbeitungsgebühren inbegriffen. Für SEPA-Lastschriften nennt sie 8 Wochen für berechtigte und bis zu 13 Monate für nicht genehmigte Abbuchungen. Eine Frist für Chargebacks nennt die Seite nicht, melde dich also ohne Verzögerung. Eine Anleitung für deinen Fall findest du unter Schon bezahlt?.
Warum Rückhol-Angebote selbst Betrug sind
Nach dem Verlust melden sich oft Helfer. Die Polizei beschreibt, dass Betrüger sich erneut als Ermittler oder Anwälte melden und gegen Gebühren versprechen, das Geld zurückzuholen. Auch die Verbraucherzentrale warnt vor Rückholern, die einen Vorschuss verlangen. Die BaFin schreibt, die Täter behaupteten oft Jahre später, das Geld sei gefunden oder sichergestellt worden, und verlangten dafür wieder Gebühren.
Am 4. Mai 2026 hat die BaFin zudem vor einer Website gewarnt, die angeblich bei der Rückforderung von Betrugsgeld hilft, und rät dringend davon ab, auf solche Angebote einzugehen. Sie empfiehlt, den Kontakt abzulehnen und Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten. Meldet sich jemand telefonisch im Namen einer Behörde oder Kanzlei, kannst du die Rufnummer in der Rufnummern-Prüfung prüfen lassen.
Weiterlesen
Wenn dir jemand eine neue Kontonummer für die Gebühr nennt, hilft der Ratgeber Neue Bankverbindung auf einer Rechnung. Aktuelle Fälle sammelt die Seite Warnungen.
