Das Telefon klingelt, im Display steht die 110 oder die Nummer deiner Bank. Am anderen Ende berichtet jemand von einem Unfall, einer Einbruchsserie oder einem gefährdeten Konto und will, dass du sofort handelst. Die Anrufe richten sich laut Polizei und BKA häufig an ältere Menschen, können aber jede und jeden treffen. Der Artikel zeigt den Ablauf, erklärt, warum die angezeigte Nummer nichts beweist, und nennt die Schritte nach einer Übergabe von Geld oder einer TAN.
Drei Anrufe mit demselben Muster
Die Geschichten unterscheiden sich, das Vorgehen ähnelt sich. Die Täter erzeugen Angst oder Dringlichkeit, halten dich am Telefon und führen dich zu einer Übergabe oder einer Freigabe. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt, dass die Opfer bei einem Anruf auf dem Handy bis zur Geldübergabe in der Leitung gehalten werden können, damit sie mit niemandem sprechen.
- Schockanruf. Du oder ein Angehöriger sollen einen schweren Unfall verursacht haben und nur gegen Kaution der Haft entgehen, oder eine Operation sei nicht bezahlt. Die Täter geben sich laut Polizei als Polizeibeamte oder andere Amtspersonen aus.
- Falsche Polizei. Angeblich sind Geld und Wertsachen zu Hause oder auf der Bank nicht mehr sicher. Ein Polizist in Zivil werde sie abholen und in Sicherheit bringen. Das BKA warnte 2022 zusätzlich vor Anrufen im Namen von BKA, Europol und Interpol, bei denen angeblich gestohlene Daten missbraucht würden und Geld überwiesen werden solle.
- Falscher Bankmitarbeiter. Eine Stimme meldet verdächtige Buchungen und will dein Konto schützen. Sie fragt nach TAN oder Zugangsdaten oder lässt dich Geld auf ein angebliches Sicherheitskonto überweisen. Die BaFin nennt das Vishing und weist darauf hin, dass im Display die echte Nummer der Bank stehen kann.
- 1AnrufIm Display steht die 110, deine Ortsvorwahl oder die Bank.
- 2GeschichteUnfall, Einbrecherbande oder gefährdetes Konto.
- 3DruckNicht auflegen, mit niemandem sprechen, es eilt.
- 4ForderungKaution, Wertsachen, TAN oder Überweisung.
- 5ÜbergabeBote an der Tür oder Freigabe in der App.
Nachgestellter Ablauf nach den Beschreibungen der Polizeilichen Kriminalprävention, des BKA und der BaFin. Einzelne Anrufe weichen ab.
Quellen: Polizeiliche Kriminalprävention: Schockanrufe; Polizeiliche Kriminalprävention: Falsche Polizisten
Warum die angezeigte Nummer nichts beweist
Technisch lässt sich die Nummer, die beim Angerufenen erscheint, durch eine andere ersetzen. Das heißt Call-ID-Spoofing und ist verboten, bei Internettelefonie aber nach Angaben der Verbraucherzentrale recht einfach. Die Bundesnetzagentur schreibt, dass dafür bestehende oder erfundene Nummern genutzt werden. Auf dem Display kann deshalb eine Nummer aus deiner Vorwahl, die einer Behörde oder die deiner Bank stehen.
Für die 110 gilt eine klare Aussage. Nach der Bundesnetzagentur gibt es keine Anrufe, bei denen die Notrufnummer rechtmäßig als Absendernummer erscheint. Die Verbraucherzentrale erklärt, dass Notrufabfragestellen der Polizei mit den Ortsnetznummern der Dienststellen zurückrufen und über die 110 selbst gar keine Anrufe aufgebaut werden können. Seit dem 1. Dezember 2022 müssen Anbieter in Deutschland Anrufe abbrechen, die 110 oder 112 als Absender zeigen.
Die Bundesnetzagentur hat zum gleichen Datum geregelt, dass bei Anrufen aus ausländischen Netzen keine deutschen Rufnummern angezeigt werden dürfen, mit einer Ausnahme für Mobilfunknummern im Roaming. Das verringert gefälschte Anzeigen, schließt sie aber nicht aus. Behandle die Nummer deshalb als Hinweis und nie als Ausweis. Das rät auch die Verbraucherzentrale.
Was Polizei und Banken am Telefon nie verlangen
- Geld oder Wertsachen. Laut Polizei und Verbraucherzentrale bittet dich weder Polizei noch Gericht, Behörde oder Bank am Telefon darum, Wertsachen herauszugeben oder Geld zu zahlen. Die Polizei nimmt kein Bargeld und keinen Schmuck in Verwahrung.
- Auskunft über dein Vermögen. Fragen nach Konten, Bargeld oder Wertsachen im Haus gehören laut Polizei nicht zu einem echten Anruf.
- TAN und Zugangsdaten. Die BaFin schreibt, dass Banken Bankdaten, TAN und Login-Daten nie telefonisch anfordern.
- Überweisungen auf fremde Konten. Die Verbraucherzentrale beschreibt Forderungen nach Überweisungen auf Auslandskonten oder in Kryptowährungen. Das kennzeichnet laut ihr die Anrufe mit Bezug auf Europol oder Interpol, eine Behörde verlangt so etwas nicht.
Mit der Ratgeber-Seite zu gefälschten Absendern bei SMS (SMS-Betrug mit gefälschtem Absender) hat der Anruf gemeinsam, dass der Absender gefälscht sein kann. Hier geht es um den Anruf selbst und um das, was nach einer Übergabe geschieht.
Was du tust, während das Telefon klingelt
- Leg auf.
Auch wenn der Anrufer drängt. Die Polizei empfiehlt bei Schockanrufen, sofort aufzulegen und sich dann zu sortieren.
- Ruf selbst an.
Bei Angehörigen unter der Nummer, die du kennst. Bei der Polizei über die 110 oder eine Nummer, die du selbst heraussuchst. Bei der Bank über die Nummer von Karte oder Kontoauszug. Nutze nicht die Rückruftaste, rät das BKA.
- Gib nichts heraus.
Keine Auskunft über Familie und Vermögen, keine TAN, keine Freigabe in der Banking-App, kein Geld und keine Wertsachen an Unbekannte.
- Sprich mit anderen.
Die Polizei empfiehlt ein Kennwort in der Familie und kurze Telefonbucheinträge ohne Vornamen, damit die Täter weniger über dich wissen.
Hat dich eine Nummer angerufen, die du einordnen willst, gib sie bei Telefonnummer prüfen ein. Wir zeigen dir, ob zu ihr Meldungen oder Auffälligkeiten vorliegen. Ein unauffälliges Ergebnis ist keine Garantie, denn gefälschte Nummern wechseln und gehören oft jemand anderem.
Wenn du schon Geld oder eine TAN herausgegeben hast
Handle in dieser Reihenfolge, auch wenn es dir unangenehm ist. Die Täter arbeiten mit Scham und Schweigen, die Polizei kennt diese Fälle.
Hast du schon etwas herausgegeben?
Ja, Überweisung oder TAN-Freigabe
- Bank über bekannte Nummer anrufen oder 116 116 wählen
- Zugang und Karte sperren lassen
- Zahlung zurückrufen lassen
- Anzeige bei der Polizei
Ja, Bargeld oder Wertsachen
- Sofort die 110 wählen
- Beschreibung der Person und Uhrzeit notieren
- Bank informieren, falls abgehoben wurde
- Anzeige erstatten
Nein, nur aufgelegt
- Nummer und Uhrzeit notieren
- Familie und Nachbarn warnen
- Kontoauszüge in den nächsten Tagen prüfen
Orientierung, keine Rechtsberatung. Der Sperr-Notruf 116 116 sperrt Karten und Online-Banking, kein Bargeld.
Quellen: Sperr-Notruf 116 116; § 675u BGB; § 676b BGB
- Bank und Sperr-Notruf.
Ruf deine Bank über eine bekannte Nummer an oder wähle 116 116. Der Sperr-Notruf ist täglich rund um die Uhr erreichbar und sperrt girocard, Kreditkarten und Online-Banking. Halte IBAN oder Kontonummer bereit.
- Polizei.
Erstatte Anzeige bei der Polizei, bei Bargeld oder Wertsachen sofort über die 110. Die Wege nach Bundesland findest du unter Wo du es meldest.
- Belege sichern.
Anrufliste mit Uhrzeit, Nummer, Kontoauszüge und Nachrichten. Wie das geht, steht unter Schon bezahlt?.
- Nummer melden.
Die Bundesnetzagentur nimmt Beschwerden über manipulierte Rufnummern an. Sie bittet um schnelle Meldung, weil Verkehrsdaten in der Regel nur sieben Tage gespeichert bleiben. Für Strafverfolgung ist sie nicht zuständig.
Was das Gesetz zu Zahlungen sagt
Wurde Geld ohne deine Zustimmung abgebucht, muss die Bank den Betrag nach § 675u BGB unverzüglich erstatten, spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach deiner Anzeige. Nach § 675v BGB darf sie bei missbräuchlicher Nutzung bis zu 50 Euro verlangen. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit haftest du für den ganzen Schaden. Das Gesetz verlangt, dass du die Bank unverzüglich unterrichtest. Nach § 676b BGB erlöschen Ansprüche, wenn du sie nicht spätestens 13 Monate nach der Belastung informierst.
Hast du die Überweisung oder die Freigabe selbst ausgelöst, ist die Frage der Zustimmung schwieriger, und die Bank beruft sich womöglich auf deine Mitwirkung. Das entscheidet der Einzelfall, eine Verbraucherzentrale kann ihn prüfen. Die Vorschriften regeln Zahlungsvorgänge über die Bank. Für Bargeld und Wertsachen, die du übergeben hast, enthalten sie keinen Erstattungsanspruch, hier zählt die Anzeige. Mehr zum Vorgehen nach einer Überweisung steht unter Schon bezahlt?. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung.
